Das Interface
Ich bin beim Gespräch über meine Arbeit von Freunden immer wieder gefragt worden: Interface, wieso Interface? Für den einfachen Telefongebrauch, der aus Wählen, Sprechen und Auflegen besteht, mag das verständlich sein. Das Interface ist seit Jahrzehnten bekannt und hat kaum wesentliche Veränderungen erfahren, außer der, daß das Gerät in den Hörer gewandert ist, die Wählscheibe durch die Ziffernblocktastatur ersetzt wurde und das Display alles anzeigen kann. Das ‘Zwischengesicht’ wird als solches nicht mehr wahrgenommen. Anpassungen an den eigenen Telefongebrauch waren mit den Geräten kaum möglich.
In einer Telefonzelle wird der Vorgang des Telefonierens schwieriger. Eine Anzeige kommt schon seit Jahren zum Einsatz, um die notwendigen Gebühreninformationen zu transportieren. Das Gerät will eine Gegenleistung und muß sie abrechnen. Die Rufnummer wird beim Wählen angezeigt, und unterschiedliche Signaltöne ergänzen den Vorgang. In den letzten Jahren haben sich Funktionen entwickelt, die das Telefon mit mehr Komfort, wie es hieß, ausgestattet haben. Mit der Digitalisierung werden Funktionen zur Verfügung gestellt, die eine begrenzte Steuerung des Telefonsystems zulassen.
Das analoge Telefon ist seit seinem Entstehen in seinen Bestandteilen fast unverändert geblieben. Mit der Digitalisierung der telefonischen Datenübermittlung hat sich auch die politische Situation geändert. Das Staatsmonopol wurde aufgegeben. Zuerst wurde der Verkauf von Endgeräten freigegeben. Danach wurde die staatliche Telefongesellschaft in eine Aktiengesellschaft überführt. Seit 1998 kann jeder für jedes Gespräch im Festnetz einen der konkurrierenden Dienstleister wählen. 1999 folgte die Festsetzung des Tarifs, der für die Übernahme eines kompletten Telefonanschlusses gezahlt werden muß; und auf EU-Ebene wird der Versuch unternommen, die Kontrolle über die Telefonnetze zurückzuerhalten. Ferngespräche über digitale Anschlüsse werden bei der größten Telefongesellschaft tagsüber mit 33% rabattiert und ab der 10. Minute noch einmal deutlich herabgesetzt.
Das Telefon in der digitalen Ausführung ist zum monofunktionalen Kleincomputer geworden. Töne werden digital gewandelt. Die Steuerung übernimmt ein Programm, das sich an den eingeübten Verhaltensweisen orientiert. Die Telefongabel, die bei den meisten Geräten nur eine Taste in der oberen Auflegschale des Hörers ist, übernimmt weiterhin die wichtigste Steuerfunktion. Die Wahl bei aufliegendem Hörer, die sogenannte Wahlvorbereitung, ist für viele noch eine ungewohnte Vorgehensweise.
Das Interface wird dann für den Nutzer auffällig, wenn es Veränderungen unterzogen wird und wenn es möglich wird, das Gerät an die eigenen Anforderungen anzupassen. Die sichtbarste Veränderung ist das Display, wo nicht nur Informationen gezeigt werden, sondern aufgrund der Anzeigen zur Interaktion aufgefordert werden kann. Auch die Anzeigen Telefon besetzt, gassenbesetzt oder Störung erlauben eine genauere Information als die übliche Tonsignalisierung. Die Werbung präsentiert gerne die Rufnummernanzeige, die bei den meisten Geräten durch den gespeicherten Namen im Telefonbuch ersetzt wird. Das Interface übernimmt immer häufiger die Übersetzung der Maschinensprache in menschliche Begriffe und Symbole. Das betrifft auch die Informationen über den Zustand.
Bei meiner drei Jahre alten Telefonanlage steht für Dreierkonferenz einleiten: „R#7“, Anrufweiterschaltung nach Zeit: „#*39 1 <Rufnummer>#“, Gespräche heranholen „#4“.
Mit der Weiterentwicklung des Telefonsystems kommen neue Funktionen hinzu. Das betrifft zum einen Erweiterungen oder Verbesserungen bekannter Funktionen. Mit der Einrichtung eines Anrufbeantworters und der Einrichtung virtueller Telefonanlagen über die Vermittlungsstelle der Telefongesellschaft bekommt das Interface Telefon umfangreichere Aufgaben.
Die Beschäftigung mit der Frage, wie ein humanes Interface aussehen kann, hat im Bereich der Personalcomputer zu einem Wettstreit der Programmführung geführt. Abgesehen von illegalen Methoden, die jetzt vor Gericht verhandelt werden, kann man beobachten, daß sich nach einer Weile die Arten, wie man das Interface am einfachsten bedienen kann, angleichen. Einfache Wege ans Ziel, die gleichzeitig bei den unterschiedlichen Herangehensweisen der Nutzer die wenigsten Fehlersuche hervorbringen, haben gute Marktchancen.
Das ist auch dringend notwendig, weil wir es täglich mit vielen verschiedenen Interfaces zu tun haben: Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik, Kommunikationsgeräte und Computerterminals, Fahrkartenautomaten und Flugscheinterminals, Fahrzeuganzeigen und Fahrstuhlsteuerungen. Kaum ein Bereich, wo die Elektronik nicht eingebaut ist. Laut ADAC-Statistik wurden 1998 die meisten Autopannen durch die Board-Elektronik hervorgerufen.
Die Geschichte des Personalcomputer ist noch sehr kurz. Seine Bedeutung wurde vielen mit der ersten Mondlandung bewußt. Mit der Hilfe eines eingesetzten 'Kleinrechners' war es dem Mensch möglich, die genau berechnete Abstiegsflugbahn mit wenig Treibstoff zu bewältigen. Dieser Computer mußte damals über Funk per Hand neu programmiert werden, weil das Programm, das er mitbekommen hatte, beim Start offensichtlich noch nicht in der optimierten Version zur Verfügung stand. Programmieren über eine schlechte Funkverbindung war sicher kein Vergnügen und zeitlich riskant. Das Gerät ermöglichte schließlich den Erfolg. Zwei Menschen landeten 400.000 Kilometer entfernt in lebensfeindlicher Umgebung mit einem Resttreibstoff für die Landephase von 12 Sekunden auf dem Mond. Dazu gehörten Vertrauen in die Technik, Arbeit, Mut und Glück. Visionäre machten sich daraufhin daran, eine solches Werkzeug für den einzelnen Menschen verfügbar zu machen.
Die Geschichte zeigt, wie das System funktionieren kann. Es muß von einer Gruppe getragen und fortgeführt werden. Nicht nur im Flugzeugcockpit sind Menschenleben von Computersystemen abhängig. Auch an das Telefon wird eine hohe Verfügbarkeitserwartung in Notfällen geknüpft. Nach Unfällen oder bei Krankheit soll man mit ihm Hilfe holen können. Bei einer Naturkatastrophe wird oft auch der Zusammenbruch des Telefonnetzes erwähnt. Eine hohe Ausfallsicherheit und ein Interface, das auch in Paniksituationen Fremden verständlich ist, wird als Voraussetzung erwartet. Auch ein Nichthandybenutzer sollte den Notruf unter der weltweit gültigen Notrufnummer 112 auslösen können.
Zum Interface gehört heute in den meisten Fällen eine optische Anzeige. Das Telefon hat seit seiner Einführung mit Signaltönen bearbeitet. Die Reduzierung des Gerätes war deswegen notwendig, um die kaum vorhandene Stromversorgung von der Vermittlungsstelle her leisten zu können. Nur so fand das Telefon eine schnelle Verbreitung.
Mit der heutigen Technik sind ISDN-Telefone mit 0,3 W/h arbeitsfähig. Der niedrige Energieverbrauch der Flüssigkristallanzeigen macht das Display allerorts einsatzfähig. Mobiltelefone arbeiten mit 300 mAh einen ganzen Tag lang und sind neben den Akkumulatoren auch mit einem Sonnenkollektor oder einer Brennstoffzelle zu speisen.
Leuchtdiode besitzen eine gute Lichtausbeute. Damit sie nicht ständig Energie verbrauchen, blinken sie. Mit dem Rhythmus kommen unterschiedliche Zustände zum Ausdruck. Mit unterschiedlichen Farben kann die Bedeutung Emotionen hervorrufen.
Die Töne sind nicht in Vergessenheit geraten. Bei neuen Telefonen ist der Tastenton im Auslieferzustand eingeschaltet. Die neuen Nutzer sollen dem Gerät nähergebracht werden. Jede Eingabe wird mit einem Ton belohnt. Nicht mögliche Eingaben erhalten negative Klangquittungen. Diese Lernform hat in Form des Tamagochis ihre Blütezeit zwar überschritten, hilft aber, einen schnelleren Zugang zum Gerät zu finden.

Interface-Bestandteile des Telefons

Das Interface ‘Telefon’ setzt sich zusammen aus Hörer mit Lautsprecher und Mikrophon, Ruflautsprecher, Tasten, Leuchtdioden und Display, die alle in unterschiedlichen Gehäuseformen angeordnet sind.
Die Ausgabe des Interface arbeitet mit Tönen, Leuchtzeichen, Symbolen, Schrift, vereinzelt mit Sprache und Formen.
Die Eingaben erfolgen über Tasten, die Hörerposition und Sprache. Die Belegung der überwiegenden Anzahl der Tasten ist fest vorgegeben. Die Tasten sind in mehreren Ebenen mit Zeichen und Funktionen belegt. Durch die Mehrfachbelegung wird die alphanumerische Zeicheneingabe ermöglicht. Bei der Eingabe wird die Länge und Häufigkeit des Tastendrucks berücksichtigt.
Bei einigen Geräten werden freiprogrammierbare Tasten, die in der Regel ein separates Tastenfeld bilden, verwendet.
Durch das Display ist es möglich, Softkey-Tasten am Displayrand zu verwenden, deren Eingabefunktion mit der Vorgabe im Display wechseln kann.
Bei einigen Geräten wird über eine besonders gekennzeichnete Taste einzweites selbst zusammenstellbares Bedienungsmenü aufgerufen. Andere Geräte benutzen Profile, um die Telefonkonfiguration schneller anpassen zu können.
Schreibtastaturen sind nur an Tischgeräten in reduzierter Tastenanzahl und nicht zur Zehnfingerbedienung zu finden.

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Inhaltsverzeichnis

© Martin Storck - Telefonieren in digitalen Netzwerken - Diplomarbeit TU Berlin 1999